0,00 Kräuterwanderung rund um die Wilhelmshöhe bei Hagnau am Bodensee | Atlas For Men
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Kräuter-wanderung am Bodensee

Kräuterwanderung bei Hagnau am Bodensee


  • Der Frühling weckt die Wanderlust

    Nach den langen Wintermonaten mit Schneefall bis in den April hinein haben wir die ersten warmen Frühlingstage ungeduldig herbeigesehnt. Und da das milde Klima im Bodenseegebiet die Blüten noch ein bisschen früher als anderswo herauskitzelt, suchten wir uns Ende April eine gemütliche Wanderung durch die Obstgärten und Weinberge bei der kleinen Ortschaft Hagnau als Ziel heraus. Um genau zu sein: Die Wilhelmshöhe, ein herrlicher Aussichtspunkt, von dem aus man die Obstgärten, Weinberge und den Bodensee überblickt – und bei entsprechendem Wetter sogar das Schweizer Säntis-Massiv.

  • Über die Autobahn A7 ging's zunächst zügig Richtung Lindau. Ab der Ausfahrt Kisslegg entschieden wir uns dann für eine beschauliche Nebenstrecke durch das malerische Oberschwaben über löwenzahnbedeckte Hügel vorbei an Streuobstwiesen. Kurz vor der Ankunft hat Michl, unser Routenplaner, dann mit einer Überraschung aufgewartet: Er hat nämlich für die heutige Wanderung eine Wildkräuterführung mit einer „Kräuterfee“ organisiert. „Ihr werdet staunen, was man alles Essbares findet und welche Wehwehchen man mit den Kräutern vom Wegesrand behandeln kann“, machte er uns neugierig.

  • Hagnauer Obst- und Weinwanderweg von Hagnau (Wilhelmshöhe) nach Immenstaad (Hohberg)
    Gehzeit: ca. 2,5 Stunden, hin und zurück, ca. 9 km
    Höhenmeter: ca. 130 m
    Schwierigkeitsgrad: leicht

  • Anfahrt
    Aus Richtung Stuttgart A 81 / A 98 / B 31
    Am Kreuz Hegau auf die A 98, dann über die B 31 Richtung Friedrichshafen bis zur Abfahrt Hagnau und zum Parkplatz Hagnau West
    Aus Richtung Ulm, Augsburg, München A 96/ B 31
    Die A 96 an der Anschlusstelle Sigmarszell verlassen und auf der B 31 bis Hagnau fahren. Parkplatz Hagnau West

  • Anreise mit dem Zug:
    Aus Richtung Stuttgart verkehren regelmäßig Züge nach Friedrichshafen, dort umsteigen Richtung Hagnau
    Aus Richtung Ulm, Augsburg und München verkehren regelmäßig Züge nach Lindau, dort umsteigen Richtung Hagnau

  • Die Sonne lacht zweimal!

    Mit einem strahlend blauen Himmel empfängt uns Hagnau und mit einem ebenso strahlenden Lächeln begrüßt uns unsere zertifizierte Wildkräuterführerin, Reinhilde. Schnell die Wanderschuhe geschnürt und den Rucksack mit Getränken, Brotzeit und Sonnencreme gepackt und dann geht‘s auch schon los durch die Hagnauer Weinberge. Auf dem Winzerweg marschieren wir mitten durch die Grauburgunder-Reben, die gerade die ersten Knospen ansetzen. Auf dem leichten Anstieg, der mit Gras bewachsen ist, finden wir dank unserer Profilsohlen guten Halt – das erste Zwischenziel, die Wilhelmshöhe, immer im Blick.

  • Wandern, lernen, genießen

    Dieser Dreiklang eröffnet uns dank der Erklärungen unserer Kräuterexpertin ein ganz neues Wandererlebnis. Unsere Kenntnisse über die heimischen Kräuter waren bisher sehr überschaubar. Außer Kamille und Minze kannten wir bisher so gut wie nichts. „Es gibt eigentlich kein Unkraut“, erklärt uns Reinhilde und beweist es. Sie pflückt eine Löwenzahnblüte und fordert uns auf, diese zu essen – einfach so. Eine Blüte am Tag, das reinigt die Leber. Da werden wir hellhörig – ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Aber auch im Salat kann man die Blüten und die Blätter verwenden. Man sollte allerdings darauf achten, dass man nicht dort pflückt, wo die Hunde Gassi gehen...

  • Der Augenblick für die Seele

    Der Weg bergauf treibt den Puls ein wenig hoch, so dass wir uns unserer Jacken entledigen. Am Morgen dachten wir noch, dass Michls Outfit mit 3/4-Hose, Kurzarmhemd und ärmelloser Weste zu optimistisch wäre, aber jetzt beneiden wir ihn fast ein wenig – jedenfalls bis zur nächsten frischen Brise, die über den Hügel streicht... Während wir den Ausblick von der Wilhelmshöhe über Weinberge, Hagnau und den Bodensee genießen, füttert uns unser wandelndes Kräuterlexikon mit Naturwissen, z. B. übers Wiesen-Schaumkraut.

  • Und die Apotheke wächst am Wegesrand

    So interessant dieses Kräuterwissen auch ist, wir lassen uns immer wieder vom herrlichen Panorama ablenken. Die Heilkräuter, die am Wegesrand wachsen, ersetzen zwar nicht das Verbandspäckchen, das in jeden Wanderrucksack gehört, aber sie helfen vielerlei Leiden und Beschwerden zu lindern. Den Gundermann, den Spitzwegerich oder das Scharbockskraut findet man, wie bei unserer Wanderung, vor dem kleinen Kirchlein, fast überall.

  • Picknick oder Brotzeit – die Oberschwaben sagen Vesper

    Frische Luft und die Bewegung sind appetitanregend, zumal Reinhilde im Zusammenhang mit den Kräutern ständig vom Essen spricht. So lassen wir uns unter einem blühenden Kirschbaum nieder und packen die Brotzeit aus.


  • Die Überraschung aus Reinhildes Kräuterküche

    Zum Abschluss unserer Brotzeit überraschte uns Reinhilde mit einem Schlehenlikör aus ihrer Kräuterküche als Muntermacher für den zweiten Teil unserer Wanderung, die uns zunächst zu einem Bärlauchfeld und dann bis zum Aussichtspunkt Hohberg bei Immenstaad führt.

  • Wir ernteten reichlich Bärlauchblätter und verkosteten das schmackhafte Kraut gleich vor Ort auf kleinen Butterschnittchen. Die richtige Stärkung, um den letzten Abschnitt unseres Ausflugs an den Bodensee in Angriff zu nehmen.

  • Oberschwaben ohne Bodensee wäre wie Paris ohne Eifelturm

    Aus diesem Grund marschieren wir flott durch die Weinberge zurück zum Parkplatz, steigen ins Auto und fahren ein paar Kilometer zum Eriskircher Ried, einem Naturschutzgebiet, wo die Schussen in den Bodensee fließt.

  • Vom Parkplatz am Naturschutzzentrum in Eriskirch laufen wir in den naturbelassenen Auwald entlang der Schussen, wo die Natur sich selbst überlassen wird. Alles wächst wie es will, keine Holzwirtschaft, keine Düngung, Radfahren ist hier nicht erlaubt, ebenso wie das Pflücken von Blumen und Kräutern, deswegen gibt es hier viel zu entdecken... Und wer sich ein wenig mehr Zeit nimmt, kann auch den Eisvogel beim Fischfang beobachten oder den Haubentaucher bei seinem extravaganten Balzverhalten. Ende Mai lohnt ein Ausflug ins Eriskircher Ried ganz besonders, denn dann verwandelt die sibirische Iris die Auenlandschaft in ein Meer an gelben und blauen Blüten.

  • Blick über den Bodensee nach Vorarlberg und ins Appenzeller Land

    Den Schlusspunkt unseres erlebnisreichen Ausflugs bildete eine ausgiebige Verschnaufpause am Bodenseeufer. Für ein Bad im See war‘s leider noch zu kühl. Aber das werden wir sicher demnächst nachholen, denn Eins ist sicher: Wir kommen wieder, vielleicht schon zur Irisblüte oder im Herbst, wenn in den Buschenschenken in den Weinbergen der erste frische Most ausgeschenkt wird...

    Übrigens: Wer jetzt Lust bekommen hat, auf eine erlebnisreiche Wildkräuterführung mit Reinhilde am Bodensee, hier ist ihre Webseite: https://www.kraeutern-raeuchern.de/wildkräuterführungen.